Medienberichte

Studiversum, März 2012

DOCH NICHT FÜR IMMER?

 

TÄTOWIERUNGEN SIND ZU EINEM LIFESTYLE- PHÄNOMEN GEWORDEN. INDIVIDUELL IST MAN SCHON LANGE NICHT MEHR MIT DEM KÖRPERSCHMUCK, DER UNTER DIE HAUT GESTOCHEN WIRD. SEIT KURZEM GIBT ES AUCH MÖGLICHKEITEN, UM TATTOOS, DIE FRÜHER ALS «EWIGE BEGLEITER» GALTEN, RESTLOS ZU ENTFERNEN.

 

Viele Gedanken hatte sich Pedro nicht gemacht, als er sich sein erstes Tattoo stechen liess. Er war jung, vielleicht ein bisschen naiv, offen für Neues und wollte seinen Körper verschönern. Ein guter Freund empfahl ihm einen Tätowierer, der ihm «einen guten Preis» mache. Für Pedro war klar, dass dieser Körperschmuck für immer bestehen bleiben würde. Das wollte er ja auch. Individualität spielte damals eine grosse Rolle für ihn, und durch den chinesischen Drachen, der von seinem Ellbogen bis zur Schulter reichen sollte, konnte er sie erreichen. Das Tattoo würde ihn von der Masse abheben. Das Geld dafür hatte er schnell beisammen. Der Tätowierer schien vertrauenswürdig und professionell. Er erklärte ihm vor dem ersten Stechen genau, was er mache, und dass er nur die besten Farben verwenden würde. Beste Farben! Heute kann Pedro sich nur an den Kopf fassen, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. Er wurde, wie so viele andere auch, für dumm verkauft. Die «beste Farbe» stellte sich, schon kurz nachdem er sich sein Tattoo hatte stechen lassen, als schlechte, wenn nicht sogar miserable Farbe he- raus. Und zu sagen, der Tätowierer hätte sein Handwerk verstanden und professionell gearbeitet, war eine glatte Lüge. Schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass der Drache schlecht gestochen war. Die Linien waren nicht schön aufeinander, die Konturen ausgefranst. Plötzlich war Pedro nicht mehr stolz auf sein Tattoo und schämte sich im Sommer, am See sein T-Shirt auszuziehen. Er wurde immer unglücklicher.

 

Hinters Licht geführt

Solche Geschichten, wie diese frei erfundene von Pedro, spielen sich leider immer wieder ab in der heutigen Zeit, in der Tattoos zu einem Lifestyle-Produkt geworden sind. Noch immer wird der Beruf des Tätowierers vom Staat nicht anerkannt, was zur Folge hat, dass sich jeder Tätowierer nennen darf, der sich ein Ladenlokal und die nötigen Apparaturen leisten kann. Dies öffnet den Markt für Pfuscher, die auf der Suche nach dem schnellen Geld sind. Patrick Aeberli, der früher selber zwei Tattoostudios geführt hat und heute professionell Tattoos entfernt, sagt dazu: «Wenn ein Kunde mit einem Wunsch für ein Tattoo zu uns kam und wir annehmen mussten, dass er seine Entscheidung später bereuen würde, haben wir ihm vom Stechen abgeraten. Doch beim zweiten oder dritten Tattoostudio fand sich sicher ein Tätowierer, der ihm das Tattoo dennoch gestochen hat.» Das schnelle Geld lockt. Bis sich herumgesprochen hat, dass ein Tätowierer nichts von seinem Handwerk versteht und schlecht arbeitet, dauert es eine Weile. In dieser Zeit kann der Tätowierer viel Geld scheffeln. Und wenn der Ruf wirklich geschädigt ist, schliesst man das Studio und eröffnet an einem andern Ort ein neues, einfach unter einem neuem Namen – und führt weiterhin die gutgläubigen Kunden an der Nase herum.

 

Die Entfernung eines Tattoos kostet ungefähr fünf Mal so viel wie das Stechen.

 

Eine Geschichte erzählen

Für Patrick Aeberli ist das Tätowieren eindeutig eine Berufung und nicht einfach ein Job, um Geld zu verdienen. Unter anderem aus diesem Grund hat er das Tätowieren aufgegeben. Der 31-Jährige entspricht so gar nicht dem Klischee des bärtigen Rocker-Tätowierers. Ursprünglich hat er Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule studiert, ist dann aber schnell zum Tätowieren gekommen. Die Eltern eines Studienkollegen besassen ein Tattoostudio in München, das er mehrmals besucht hatte. «Das Tätowieren hat mich, im Gegensatz zur Arbeit im Büro eines Rückversicherers, nicht mehr losgelassen», blickt Aeberli zurück. Begonnen hat er mit Piercen, ist dann aber zum Tätowieren übergegangen. Schon nach kurzer Zeit eröffnete er sein erstes Tattoostudio, das zweite folgte sogleich. Aktiv tätowiert habe er aber nur kurz. «Tätowierer ist man mit Leib und Seele, und diese Prise Künstler hat mir gefehlt», begründet Aeberli seinen Entscheid, die Führung der Studios zu übernehmen und nicht mehr selbst mit der Nadel zu arbeiten. Wenn er etwas mache, dann richtig. Halbe Sachen gibt es für den jungen Mann nicht. Für ihn ist unverständlich, wie die Leute einfach ins Tattoostudio spazieren und sich «irgendwas x-Beliebiges» unter die Haut stechen lassen. «Spannend finde ich jene Tattoos, die eine Geschichte erzählen. In einer Zeit, in der Tattoos zur Modeerscheinung geworden sind, fallen eher jene auf, die sich kein Tattoo stechen lassen», so der Ex-Tätowierer. Sein erstes Tattoo, ein Tribal auf dem Unterarm, ist sein einziges Tattoo, das keine Geschichte erzählt. Bewusst hat er auch darauf verzichtet, sich die Hände und den Hals zu tätowieren. Bei der Bewerbung um bestimmte Jobs kann ein unpassendes Tattoo nämlich nach wie vor der Grund für eine Absage sein. Aeberlis rechten Arm schmückt ein Tattoo, welches ihn an die Zeit erinnert, in der er ein begeisterter Motorsportler war. Nach einem schweren Unfall beendete er 2004 seine Karriere im Rennsport. Würfel und ein Schädel symbolisieren das Spiel mit Leben und Tod. Ein Drehzahlmesser, der die letzte Drehzahl vor dem Aufprall anzeigt, und eine Pokerkarte vervollständigen das Tattoo.

 

Doch nicht für die Ewigkeit

Vor einigen Jahren hat Aeberli seine Tattoostudios verkauft und in Frauenfeld im Untergeschoss von «Heinz Tattoos» das Tattooentfernungsstudio «Tattoo-Less» eröffnet. Die Technik der Tattooentfernung hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. «Früher wurden Tätowierungen weggeätzt, abgehobelt oder noch schlimmer», blickt Aeberli zurück. Heute ist die Lasertechnik so weit, dass Tattoos restlos entfernt werden können. Mit der gebündelten Energie einer sogenannten «Laserpistole» werden die unter der Haut eingeschlossenen Farbpigmente zerstört. Die Zellen und das umliegende Gewebe werden dabei nicht beschädigt. Tattoos halten also nicht mehr für ewig. Doch um ein Tattoo restlos zu entfernen, braucht es acht bis zwölf Lasersitzungen, und die können ganz schön teuer werden: Die Entfernung eines Tattoos kostet ungefähr fünf Mal so viel wie das Stechen.

Seit Januar betreibt Patrick Aeberli gemeinsam mit Adrian Gsell, dem Gründer der Putzfrauenagentur  «putzfrau. ch», die «Tattooenfernungs-Praxis» mit Behandlungsraum in Dietlikon. Bewusst konzentrieren sich die beiden nur auf Tattooentfernungen – und bieten keine anderen Dienstleistungen an. Aeberli begründet: «Wir wollen als Spezialisten auf diesem Gebiet optimale Ergebnisse erzielen und konzentrieren uns daher auf dieses eine Teilgebiet.» Doch, wie man vielleicht vermuten könnte, ist es nicht der Name einer vermeintlich «grossen Liebe», den sich die Mehrheit der Kundschaft entfernen lassen will. «80 Prozent aller Tattoos, die ich bisher entfernt habe, waren schlicht und einfach schlecht gestochen und unschön anzusehen. Einen Namen habe ich bisher erst einmal entfernen müssen.» Für ihn ist nur unverständlich, wie sich Leute einen ganzen Arm tätowieren lassen können, um

dann am nächsten Tag bei ihm vorbeizukommen, um einen Termin für eine Tattooentfernung zu vereinbaren. In den meisten Fällen kann er aber den Leuten wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern, indem er ihr störendes Tattoo entfernt, und ihnen damit ein grosses Problem aus der Welt schafft, das sie zuvor stark beschäftigt und das ihr Leben sehr bestimmt hat.

 

TATTOOENTFERNUNG

Grundsätzlich kann jedes Tattoo mit Lasergeräten restlos entfernt werden. Die Behandlungsdauer und -intensität hängt jedoch von unterschiedlichen Faktoren ab. Das Tattoo darf nicht jünger als 30 Tage sein. Je älter eine Tätowierung ist, desto tiefer befinden sich die Farbpigmente in der Haut, und somit sind mehrere Behandlungen notwendig, um diese komplett zu entfernen. Genau so verhält es sich mit sogenannten Cover-Ups (mehrfach überstochene Tattoos). Hier müssen die einzelnen Farbschichten nacheinander abgetragen werden und dies führt ebenfalls zu einem erhöhten Behandlungszeitraum.

Die modernste Lasertechnologie schont das Hautbild nachhaltig und ist daher absolut risikolos. Sämtliche Farbpigmente werden dauerhaft und ohne jegliche Rückstände entfernt.

Der Laser arbeitet so exakt, dass auch Teilbereiche von Tätowierungen entfernen werden können, ohne die umliegenden Stellen zu beschädigen. Darüber hinaus ist es möglich, Tattoos so aufzuhellen, dass ein neues Sujet darübergestochen werden kann. Ein genügende Aufhellung wird bereits nach drei bis vier Lasertherapien erreicht.

 

www.tattooentfernungs-praxis.ch

 

Text: Jonas Frehner

Bilder: Egelmair Photography

 

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